Musikgottesdienst 04.10.2020

Johann Pachelbel
Musikalische Ergötzung_Suite in C-Dur (P. 374)
Sonata – Aria – Treza – Ciacona


Johann Philipp Krieger
Musikalischer Seelenfriede_“Gott, man lobt dich in der Stille“
Psalm 65

Johann Sebastian Bach
„Er segnet, die den Herrn fürchten“
Arie aus der Kantate BWV 196







Simone Schwark_Sopran
Katerina Ozaki_Barockvioline
Martin Jopp_Barockvioline
Burkhard Engelke_Continuo

Joh. Ph. Krieger (1649–1725) wuchs als Sohn eines Teppichmachers und Garnfärbers auf und erhielt bereits in frühen Jahren eine musikalische Unterrichtung an Tasteninstrumenten. Ab dem achten Lebensjahr erhielt er Unterricht bei dem Nürnberger Musiker und Froberger-Schüler Johann Drechsel (Dretzel).

Später ging Krieger nach Dänemark, wo er Schüler des Königlich Dänischen Organisten Johannes Schröder in Kopenhagen wurde. Gleichzeitig vertrat er diesen als Organisten an der Peterskirche. Parallel dazu erhielt er bei Kaspar Förster jun., seines Zeichens Königlich Dänischer Kapellmeister, Unterricht im Fach Tonsatz. Kurze Zeit nach Aufnahme seines Studiums wurde Krieger an der Orgel der Hauptkirche in Kopenhagen eingesetzt. Gegen 1667 erhielt er eine Berufung nach Christiania in Norwegen als Organist, die er auf Wunsch seiner Eltern jedoch nicht wahrnahm.

Zurückgekehrt nach Deutschland, trat er in die Dienste des Markgrafen Christian Ernst in Bayreuth ein, wo er später die Position des Kapellmeisters innehatte. Aufgrund der darauf folgenden Kriegshandlungen gegen Frankreich und des daraus resultierenden höfischen Zwanges, die musikalischen Aktivitäten einzugrenzen, bat Krieger um seine Entlassung.

Er unternahm daraufhin eine Studienreise nach Italien, um die dortigen Musikstätten zu besuchen und dort Studien zu betreiben. Studien folgten in Venedig unter anderem bei Johann Rosenmüller für Komposition sowie bei Giovanni Battista Volpe, auch Rovettino genannt, für Cembalo. In Venedig befreundete er sich mit Francesco Cavalli, Giovanni Legrenzi und Pietro Andrea Ziani. Er studierte in Rom bei Antonio Maria Abbatini Cembalo und bei Bernardo Pasquini Komposition. In Rom traf er mit dem Universalgelehrten Athanasius Kircher zusammen. Danach folgte eine weitere Reise nach Venedig zum Studium der Oper. Vom 10. Oktober 1675 datiert der Adelsbrief, in dem Krieger nebst all seinen Geschwistern in den Adelsstand erhoben wurde, nachdem er vor Kaiser Leopold I. in Wien musiziert hatte.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bayreuth sowie in Frankfurt am Main und Kassel übernahm er 1677 die Position des Kammermusikers und -organisten am Hof des Herzogs August von Sachsen-Weißenfels in Halle. Bereits nach kurzer Zeit wurde er zum Vizekapellmeister ernannt und wechselte zusammen mit dem neuen Herzog Johann Adolf I. 1680 die Residenz. Auf Neu-Augustusburg entstanden zwischen 1685 und 1717 acht vielstimmige Instrumentalwerke, die als Beispiel für das frühe deutsche Concerto grosso gelten. Krieger führte akribisch Buch über alle unter seiner Leitung bei Hof aufgeführten Werke. Hierdurch ist überliefert, dass er rund 2500 Kantaten komponierte, von denen 2200 als verschollen gelten.

In seinen geistlichen Konzerten war Johann Philipp Krieger wegweisend für die großen, in sich geschlossenen Sologesangsformen des 18. Jahrhunderts. Die ausgeprägte, individuelle Interpretation der Psalmentexte macht diese Werke auch für heutige Hörer*innen äußerst reizvoll.
Die Vertonung des 65. Psalms „Gott, man lobet dich in der Stille“ entstand 1694 und wurde erstmals am Sonntag Lätare in der Weißenfelser Schlosskapelle aufgeführt.